Das Zugunglück von Radevormwald - Leben mit der Katastrophe Ein Film von Achim Scheunert
So, 23.08. | 5:15-6:00 | WDR
Der 27. Mai 1971 ist ein regnerischer Tag. Morgens um 5:30 Uhr versammeln sich 63 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9b und c der Geschwister-Scholl-Hauptschule am Bahnhof. Begleitet werden sie von drei Lehrern und einer Mutter. Start zur eintägigen Abschlussfahrt nach Bremen. Nach Museumsbesuch, Hafenrundfahrt und Stadtbummel geht es pünktlich um 16:30 Uhr zurück. Rund vier Stunden später nimmt das Schicksal dann seinen Lauf. Die Gruppe steigt in einen sogenannten Schienenbus, den die Bundesbahn außerplanmäßig für die Fahrt von Wuppertal nach Radevormwald
bereitgestellt hatte. Am Bahnhof Radevormwald treffen zu dieser Zeit schon die ersten Eltern ein.
Auf der eingleisigen Strecke sollte eigentlich ein entgegenkommender Güterzug im Bahnhof Dahlerau warten, um den Schienenbus passieren zu lassen. Der Fahrdienstleiter dort verwendet eine Signalkelle als Haltesignal. Der Lokführer aber versteht das Signal anders und beschleunigt die Lok. Danach kann der Güterzug nicht mehr aufgehalten werden. Eine Funkverbindung zu den Zügen gibt es nicht. Um 21:15 Uhr prallen beide Züge frontal zusammen. Dadurch wird der Schienenbus zurückgeschoben und der vordere Waggon auf ein Drittel gestaucht.
46 Menschen kommen ums Leben. Unter den Toten sind 41 Schulkinder. Der Schock ist in ganz Radevormwald zu spüren. Bei der Beerdigung erleidet der Onkel eines verunglückten Jungen einen Herzinfarkt und bricht tot zusammen. Lange verhindert die Sprachlosigkeit jede Verarbeitung. Auch die Überlebenden untereinander finden kaum Worte. Bei zufälligen Begegnungen wird nicht über die Katastrophe gesprochen. Es gibt sogar Anfeindungen.
Monika Zierden gehört zu den wenigen Überlebenden. Sie liegt im Krankenhaus und will unbedingt zur Trauerfeier. Doch die Ärzte untersagen das. Stattdessen klopft es mittags an der Tür. Ein fein gekleideter Herr spricht ein paar Worte und überreicht ein Buch mit Widmung. Es ist der Bundesverkehrsminister. Gemeinsam mit ihrer Mutter erzählt Monika Zierden wie sie das dramatische Unglück verarbeitet hat. Ernst Hallbach gehörte als Feuerwehrmann zu den ersten am Unfallort und berichtet über seine Erfahrungen.
Die berührende Dokumentation von Achim Scheunert zeichnet das Unglück nach und beschreibt, wie stark das Geschehen vor mehr als 50 Jahren das Leben in Radevormwald bis heute prägt.
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