2020: Das waren die sommerlichen Bezirksausflüge im ORF

Neue Folgen der ORF-Bezirksdokureihe: immer sonntags!

Zum Abschluss der Bezirksdoku-Dakapos präsentiert ORF 2 am Sonntag, dem 30. August, um 22.10 Uhr die Premiere des neuen Städteporträts „Mein Villach“ mit Heidelinde Weis, Lizzy Engstler und Gerd Schuller. Das war die Saison 2020.

"Mein Villach": Neues ORF-Städteporträt mit Heidelinde Weis, Lizzy Engstler und Gerd Schuller

Bühnen- und Fernsehstar Heidelinde Weis, Moderatorin und Sängerin Lizzy Engstler und Filmkomponist Gerd Schuller begeben sich auf eine nostalgische Reise an die Orte ihrer Kindheit und Jugend in Villach-Stadt und -Land.

„Mein Villach“ (2020)

Mit 19 sagte sie gar nicht still: „Ich will!“ Als sich Heidelinde Weis 1960 traute, hatte sie Hildchen aus Berlin im Schlepptau. Die große Knef war die Trauzeugin des Berliner Theaterproduzenten Hellmuth Duna, den Weis zum Ehemann nahm. Geheiratet wurde in der Nicolaikirche, wo Heidelinde lange davor schon Ensemblemitglied der Nicolaispatzen war – vielleicht der Grundstein zur späteren Karriere als Chansonnière. Für „Mein Villach“ kehrt Heidelinde Weis nicht nur an diesen mit vielen Erinnerungen verbundenen Ort zurück, sondern auch in das Haus ihrer Kindheit und in ihre Volksschule.

In Velden am Wörthersee – gelegen im Bezirk Villach – hat man das Gefühl, dass jeden Augenblick Roy Black oder Uschi Glas um die Ecke kommen könnten. Die vielen quietschvergnügten Wörthersee-Filme der 1970er Jahre vermitteln, hier sei immer Sommer. Für Elisabeth „Lizzy“ Engstler war der Sommer die Zeit der Freundschaften, von denen sie regelmäßig Abschied nehmen musste – bis die Freunde im nächsten Sommer wiederkamen: Die Sängerin wuchs im Seehotel Engstler auf, mit den Kindern der Stammgäste lernte sie spielend, auf Fremde offen zuzugehen. Für das Städteporträt kehrt Lizzy an den Ort ihrer Kindheit zurück und lässt sich von Regisseur Felix Breisach mit einer musikalischen Überraschung zu Tränen rühren.

Wann immer Kommissar Rex Wurstsemmeln apportierte oder Marianne Nentwich und Klaus Wildbolz sich um das Wohl ihrer Gäste im „Schlosshotel Orth“ sorgten, erklangen seine Melodien: Gerd Schuller ist ein renommierter Filmkomponist und lehrt darüber hinaus seit Jahrzehnten an der Musik-Uni Graz. Er lädt das Filmteam in sein außergewöhnliches Haus am Ossiacher See und zum Spaziergang durch Villach-Stadt.

Die Bezirksporträts 2020 jeweils sonntags um 22.10 Uhr in ORF 2

  1. „Meine Innere Stadt“ (19. Juli)
  2. „Mein Ottakring“ (26. Juli),
  3. „Mein Salzburg“ (2. August),
  4. „Meine Wieden“ (9. August),
  5. „Mein Innsbruck“ (16. August) und
  6. „Meine Landstraße“ (23. August) sowie die Erstausstrahlung des neuen Städteporträts
  7. PREMIERE: „Mein Villach“ (30. August)

Anschließend gibt es immer eine „Alltagsgeschichte“ Marke Spira zu sehen.

Rückblick: Die Reihe, die Promis, die Bezirke!

„Meine Landstraße“:

Der dritte Wiener Gemeindebezirk, Landstraße, wurde im Zuge von Eingemeindungen der Wiener Vorstädte im Jahre 1850 aus den Gemeinden Weißgerber, Erdberg und Landstraße gebildet. In den neu renovierten Sofiensälen trifft Regisseur Chico Klein diesmal Sängerin und Schauspielerin Marianne Mendt, die ehemalige Eiskunstlauf-Europameisterin Ingrid Wendl, Schauspielerin Sandra Cervik, Bluesgitarrist, -komponist und -sänger Al Cook sowie den Musiker Harald Fendrich. In sehr unterhaltsamer Gesprächsrunde streift der Film über den Wiener Eislaufverein am Heumarkt, mit seinen Eisrevue-Veranstaltungen und dem sommerlichen Freistilringer-Spektakel rund um das Gebiet von Wien-Mitte. Dieses war auch Standort des legendären AEZ (Ausstellungs- und Einkaufszentrum), eines der ersten Einkaufszentren in Wien, aus dem die Radiosendungen „Autofahrer unterwegs“ sowie die „Hitparade“ mit Eva Maria Kaiser übertragen wurden und Louise Martini ihren „Mittagsmartini“ akustisch servierte. Der Bau der Schnellbahnverbindung von Meidling nach Floridsdorf mit seinem Abschnitt Wien-Landstraße, das Schloss Belvedere als Ort der Unterzeichnung des Staatsvertrags, das Heeresgeschichtliche Museum und das Museum des 21. Jahrhunderts sind ebenso Stationen der Dokumentation wie die Sofiensäle mit ihrer Laufbahn zwischen Schwimmbad und Brandruine. Der Aufbruch einer neuen Jugendbewegung in der Zeit der Arena-Besetzung ist ebenso Teil der Bezirksbetrachtungen wie – als ruhender Ausgleich dazu – der an das Belvedere angrenzende Botanische Garten. Als ganz besonderer Tribut an einen weltberühmten Bewohner der „Landstraße“ kommt auch die 2007 verstorbene Jazzlegende Joe Zawinul posthum zu Wort.

Mein Innsbruck (2017)

Die Dichte an Schauspielerinnen, Schauspielern, Moderatorinnen und Moderatoren scheint in Innsbruck so groß zu sein wie nirgendwo anders in Österreich. Vier Prominente aus Wissenschaft, Show, Theater und Radio führen durch die Landeshauptstadt, in der sie aufgewachsen sind. Der Werdegang der vier „Tiroler Kinder“ könnte unterschiedlicher nicht sein: Andi Knoll, erfolgreicher Ö3- und Fernsehmoderator, Alice Tumler, multinationale Kultur- und Eventmoderatorin, Helmut Pechlaner, ehemaliger langjähriger Zoodirektor, und Katharina Straßer, Sängerin und Schauspielerin, streifen gemeinsam mit Regisseur Felix Breisach durch das wunderbare Innsbruck ihrer Vergangenheit. Die Landeshauptstadt Tirols zeigt sich dabei von ihrer eher unbekannten Seite. Erinnerungen an Kindheit und Jugend prägen die Erzählungen der Vier. Manchmal sentimental, manchmal heiter und mit viel Selbstironie erzählen sie Anekdoten, Geschichten und manchmal auch Streiche früher Tage.

Meine Wieden (2015)

Die Reise durch den Bezirk geht an den Baudenkmälern Karlskirche, Theresianum, Palais Schaumburg und Rothschild vorbei. Musik und Theater waren in diesem Bezirk seit jeher besonders wichtig. So gründeten hier gleich drei Männer Klavierfabriken: Ignaz Stingl, Friedrich Ehrbar und Ignaz Bösendorfer.
Auf der Wieden stand seit dem 18. Jhdt. Wiens größtes Mietshaus, das Freihaus. Es war so groß, dass man fast von einer Stadt sprechen kann - sogar ein eigenes Theater war hier und in einem Garten war ein kleines Holzhäuschen, in dem Mozart die Zauberflöte fertiggestellt haben soll. In lockerer Runde plaudern Prominente wie die Kulturjournalistin und Moderatorin Barbara Rett, Psychologin und Autorin Dr. Elisabeth Brainin, Springreiter Thomas Frühmann und Autor Thomas Raab, der selbst auch durch "seine Wieden" führt.

 Thomas Raab führt durch den Bezirk Wieden. Bild: Sender / Felix Breisach Medienwerkstatt

Mein Salzburg (2015)

"Mein Salzburg" zeigt die weltbekannte Stadt auf reizvolle Art durch die Erinnerungen von vier Prominenten: die ehemalige Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten Frau Dr. Benita Ferrero-Waldner, der Architekt Wilhelm Holzbauer, Burgschauspieler Branko Samarovski und Regisseur Reinhard Schwabenitzky werfen außergewöhnliche Blicke auf ihre Kindheit in Salzburg und erzählen von einer Stadt, deren Schönheit und Ruhm diese junge Menschen angespornt hat - und dass die Verwirklichung ihrer persönlichen Ziele alles andere als selbstverständlich war.
Regie: Chico Klein

Branko Samarovski, Reinhard Schwabenitzky. Bild: Sender / ORF / Felix Breisach Medienwerkstatt

Mein Ottakring (2012)

Direkt im ehemals dörflichen Gebiet rund um das Wiener Traditionslokal "10er Marie" plaudern der Maler und Musiker Karl Hodina, der Musiker Horst Chmela, der ehemalige ORF-Intendant Gerhard Zeiler und der Musiker, Produzent und das ehemalige Bandmitglied von Drahdiwaberl und Falco, Thomas Rabitsch über ihre Jugendzeit im Heimatbezirk Ottakring; mit dem Maler und Musiker Arik Brauer kommt ein weiterer prominenter Ottakringer zu Wort. Die Filmdokumentation präsentiert neben persönlich erzählten Jugend-Anekdoten der prominenten Gäste auch Geschichten aus früheren Zeiten, als der Ottakringer Bach, heute kanalisiert, immer wieder Überschwemmungen verursachte und als am Beginn der Thaliastraße ein riesiges Theater aus Holz stand, das sogar größer war als das Wiener Burgtheater.
Regie: Chico Klein

„Meine Innere Stadt“ (2017)

„Meine Innere Stadt“ ist eine 2017 von Chico Klein gestaltete filmische Reise mitten in das Zentrum Wiens, den ersten von insgesamt 23 Wiener Gemeindebezirken. Als Reisebegleiter führen durch „ihre“ Innere Stadt Theater-Doyen Otto Schenk, der niemals eine Wohnung haben will, von der er nicht den Stephansdom sehen kann, weiters Schauspieler und Regisseur Paulus Manker, der seit Jahren mit geschichtsverweigernden Fiakern im Streit liegt, die im Vorjahr verstorbene Schauspielerin Brigitte Swoboda, die als vierjähriges Kind in die für sie unverständliche Stadt zog, und ORF-Urgestein und Entertainer Peter Rapp, der sich selbst als Schlüsselkind bezeichnet. Die vier Prominenten begleiten den Bezirksrundgang mit persönlichen Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend. Heiteres, Besinnliches, Geschichtliches sowie Privates steht dabei wie immer im Vordergrund und wird durch historische Bilder, Dokumente, Fotos und Archivaufnahmen untermalt.

Otto Schenk. Bild: Sender / ORF / Felix Breisach Medienwerkstatt

„Mein Klagenfurt“ mit Dagmar Koller (2015)

Als Protagonistin führte die Dagmar Koller neben anderen prominenten Klagenfurtern durch die Stadt ihrer Kindheit und Jugend. Weiters wirkten bei diesem unterhaltsamen wie aufschlussreichen Bundeslandbesuch unter der Regie von Felix Breisach die Autorin und Discoqueen der siebziger Jahre Penny McLean sowie die bekannte Eishockeyfamilie Kalt rund um Eishockeylegende Dieter Kalt senior mit.

Erinnerungen, die an den Ursprung ihrer Karrieren zurückreichen, erfolgreiche Wege, die so nicht zu erwarten waren: Dagmar Koller, künstlerisches Multitalent, erzählt von ihren ersten Bühnenerlebnissen im Stadttheater Klagenfurt, wo sie als Kind schon ihre ersten Rollen spielte. Dort nahm sie auch ihren berührenden Abschied von der Bühne. „Die Koller“, die am 26. August ihren 80. Geburtstag feiert, verrät auch eine bis heute verheimlichte Geschichte über das Wahrzeichen der Stadt Klagenfurt, den Lindwurm – ein persönliches Geheimnis wird damit gelüftet.

Neben Koller führt Autorin und Discoqueen der siebziger Jahre Penny McLean durch die Stadt. Die Klagenfurterin, geborene Gertrude Wirschinger, hat eine Weltkarriere als Sängerin der legendären Gruppe Silver Convention gemacht und mit „Lady Bump“ und „Fly, Robin, Fly“ Disco-Welthits gelandet. Mit Silver Convention erreichte sie 1977 für Deutschland auch den 8. Platz beim Song Contest. Heute, als erfolgreiche Buchautorin, kommt sie gerne immer wieder nach Klagenfurt und sieht die Stadt nach wie vor als ihre Heimat.

Dieter Kalt senior, Eishockeylegende des KAC, ist heute noch aktiv dem Sport verbunden und ein „waschechter“ Kärntner geblieben. Er hat den Lebensmittelpunkt Klagenfurt niemals aufgegeben – trotz seiner internationalen Karriere und seiner Tätigkeit als Präsident des österreichischen Eishockeyverbandes. Sein Sohn, Dieter Kalt junior, ist längst in die Fußstapfen des Vaters getreten und nach mehr als zwei Jahrzehnten Spielerkarriere selbst ins Trainergeschäft eingestiegen.

Dagmar Koller. Bild: Sender / Felix Breisach Medienwerkstatt

Mein Meidling (2016)

Der 12. Wiener Gemeindebezirk Meidling ist ein klassischer Arbeiterbezirk. Aber einer mit viel Kultur: Österreichische Musiklegenden wie Hermann Leopoldi und Georg Danzer stammten aus Meidling. Die Dokumentation präsentiert den Modenachwuchs in der Modeschule Hetzendorf und erforscht das Gegenstück des Wiener Praters, den Tivoli. Und nicht zuletzt wird das legendäre "Meidlinger L" hinterfragt. Eine lockere Runde plaudert über "ihren Bezirk": Der Musiker Toni Stricker, die Schauspielerin Erika Mottl, der Musiker und Comedian Roman Gregory und der Schauspieler Jakob Seeböck.

Mein Penzing (2015):

Das 2015 produzierte Bezirksporträt „Mein Penzing“ von Chico Klei, in dem wieder Prominente von ihren Erlebnissen in jenem Stadtviertel erzählen, in dem sie aufgewachsen sind bzw. mit dem sie Persönliches verbindet. Ihre Erinnerungen an den 14. Wiener Gemeindebezirk teilen Julia Stemberger, Reinhard Nowak, Katharina Scholz-Manker und Edita Malovčić.Von Westen mit der Bahn kommend, vermittelt Penzing Wienbesucherinnen und -besuchern einen ersten Eindruck von der Stadt. Dabei wirkt sein hügeliger Teil, noch im Wienerwald gelegen, so gar nicht wie die Einfahrt zu einer Millionenmetropole.

Der Wienfluss bildet linksseitig bis auf die Höhe von Schönbrunn die Bezirksgrenze, die weiter bis zum Technischen Museum reicht, in dem der größte Teil österreichischer Erfindungen ausgestellt ist.

Der Gründerzeit-Architekt Otto Wagner stammte aus Penzing und hinterließ bekannte Jugendstil-Bauwerke in seinem Heimatbezirk, wie zum Beispiel die Kirche am Steinhof. Sogar der Wintersport ist diesem Bezirk nicht fremd: Auf der Hohe-Wand-Wiese wurden früher Weltcup-Bewerbe im Slalom ausgetragen und am Himmelhof, der früher zu Penzing gehörte, zeigten Skispringer ihr Können.

Durch sein Grätzel in Wien-Penzing führt Kabarettist und Schauspieler Reinhard Nowak. Seine ersten Küsse hat er im Dehnepark probiert – jenem Park, der ursprünglich dem Schauspieler Willi Forst gehörte. Ebenfalls eine waschechte Penzingerin ist Schauspielerin Julia Stemberger. Gemeinsam mit Kollegin Katharina Scholz-Manker und der Schauspielerin und Singer-Songwriterin Edita Malovčić alias Madita erinnert sie sich an ihre Kindheit im 14. Bezirk.

„Mein bestes Wien“, Teil 2:

Wien: Das ist Gemächlichkeit im Grätzel, wo jener Boden aufbereitet wird, auf dem Wiener Originale erblühen können – die Stadt mit der vielzitierten höchsten Lebensqualität. Wien ist aber auch die himmelstürmende Metropole, die stets wachsend an der Zwei-Millionen-Grenze kratzt. In Teil zwei dieses „Best of“ besucht Regisseur Chico Klein neue Stadtviertel mit herausragender Architektur, die einer sich ständig wandelnden Stadt ein neues Antlitz geben, so etwa der WU-Campus, das Sonnwendviertel in Nachbarschaft zum neuen Hauptbahnhof, die Hochhäuser auf der Donauplatte, die Wien tatsächlich zu einer Skyline verholfen haben, und die Seestadt Aspern. Archivmaterial macht deutlich, wie wirkungsvoll der Wandel in den neuen Stadtteilen innerhalb nur eines Jahrzehnts war. Große Themen dieser Ausgabe sind Heimatstolz und Grenzrivalitäten zwischen den Bezirken bzw. ihren Bewohnerinnen und Bewohnern.

Liedermacher Ernst Molden stellt dazu fest: Je ähnlicher die Milieus, desto größer die Rivalität. So muss sich Schauspielerin Michou Friesz auch noch nach vielen Jahren als „Verräterin“ bezeichnen lassen, weil sie vom bürgerlichen Döbling ins nicht minder bürgerliche Hietzing gezogen ist. Publikumsliebling Otto Schenk ist Innenstädter von Kindesbeinen an. Immer schon undenkbar war es für ihn, an den Stadtrand oder gar ins Grüne zu ziehen. Wienerlied-Musiker Roland Neuwirth lebte in jenem Teil von Hernals, wo die Milieus aufeinandertreffen – er genoss von seinem „hässlichen Gemeindebau“ aus den Blick auf prachtvolle Gründerzeitvillen. Zum Ausklang wechselt Chico Klein von den dichtbebauten Gebieten zu Oasen der Ruhe: in die Ausläufer der Praterauen und in die Lobau. Landstriche, die einen nicht an Großstadt denken lassen, sondern eher an Naturparadiese.

„Mein bestes Wien“, Teil 1:

Wien, das ist die rasant wachsende Weltmetropole mit der vielzitierten höchsten Lebensqualität, die an der Zwei-Millionen-Marke kratzt. Vor allem aber ist Wien eine Ansammlung von Dörfern mitten in der Stadt. In den Grätzeln gedeiht Kultur und wird der Boden aufbereitet, auf dem Wiener Originale erblühen können. Die beliebte ORF-Bezirksdokureihe versammelt in zwei neuen Ausgaben Highlights aus bisherigen Folgen, zeigt aber auch noch nie gesendetes Material. Neu in der Riege von Chico Kleins prominenten Grätzel-Gästen ist Volksschauspielerin Ingrid Burkhard. Sie gastierte am Burgtheater und im Theater in der Josefstadt, zum Publikumsliebling wurde sie indes als Toni Sackbauer in der Kultserie „Ein echter Wiener geht nicht unter“. Als blutjunge Schauspielerin gab sie Goethes Gretchen – und die Gretchenfrage wird auch im ersten Teil von „Mein bestes Wien“ gestellt: „Nun sag’, wie hast du’s mit der Religion?“ Erwin Steinhauer spielte in seiner Jugend in Jazzmessen, während es Tini Kainrath nur beinahe einmal in eine Kirche geschafft hätte. Die Schwellenangst war dann doch zu groß. „Der Tod, das muss ein Wiener sein“, dieser Meinung war Liedermacher Georg Kreisler in seinem 1969 entstandenen Lied. Die vielbesungene, nahezu erotische Beziehung der Wienerinnen und Wiener zum Tod manifestiert sich auch in den prachtvollen Friedhöfen der Stadt. Otto Schenk erzählt vom Grab seiner Großmutter, die im Wiener Stadtpark bestattet worden war. Für Schriftsteller Thomas Raab war der Tod seines Vaters besonders traumatisch. Und das Begräbnis des legendären „Drahdiwaberl“-Chefs Stefan Weber erinnerte an eine Kunstaktion. Als Höhepunkt des ersten Teils von „Mein bestes Wien“ gibt es einen PR-Film der Wiener Polizei aus dem Jahr 1927 zu sehen, in dem die uniformierten Herren eindrücklich demonstrieren, dass sie das Zeug zu großem Ballett haben.

„Mein Bregenz“ mit Sabine Haag, Céline Roscheck und Gottfried Bechtold

Graz, Klagenfurt, Salzburg, Linz, Innsbruck – und nun Bregenz! Im Rahmen der beliebten ORF-Bezirksdokureihe steht bereits das nächste Landeshauptstadt-Porträt auf dem Programm. Der Film „Mein Bregenz“ führt in die westlichste Metropole der Republik. Was sind denn die gängigsten Assoziationen, wenn man an Vorarlberg denkt? Diese und andere Fragen lässt Regisseur Felix Breisach seine prominenten Protagonistinnen und Protagonisten beantworten: durch „ihr“ Bregenz führen die langjährige Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums in Wien, Sabine Haag, die Musikerin und ehemalige „Miss Austria 2002“ Céline Roscheck sowie Universalkünstler Gottfried Bechtold.

Sabine Haag ist mit Ehrgeiz, Engagement und Kompetenz gelungen, einen der weltweit bedeutendsten Kulturtanker zu übernehmen und überaus erfolgreich zu navigieren. Zehn Jahre lang stand sie als Generaldirektorin am Steuer des Kunsthistorischen Museums. Die Kulturmanagerin führt in die Pfarrkirche von Wolfurt, dem an Bregenz grenzenden Ort, in dem sie die ersten Lebensjahre verbrachte – nicht jedoch, um dort den neoklassizistischen Baustil zu besprechen, sondern in Erinnerung an ihren ersten Berufswunsch. Die Kunsthistorikerin wollte in ihrer Kindheit Nonne werden. Im Festspielviertel von Bregenz erinnert sie sich an einen legendären Auftritt eines ihrer frühen Idole: Rudolf Nurejew.

Direkt vor dem Festspielhaus ragt eine fast neun Meter hohe Bronzeskulptur des Universalkünstlers Gottfried Bechtold auf: die „Ready Maid“, geschaffen aus einem sich gabelnden Baumstamm, sinnlich wie eine grazile Frauenfigur. Bechtold ringt ständig um die Erweiterung des Kulturbegriffs. Berühmt machte ihn sein 1971 kreierter Beton-Porsche. In Hörbranz nahe Bregenz, wo er aufgewachsen ist, gibt er Einblick in sein Atelier: eine Wunderkammer und Kunstmaschine.

2002, im Alter von 19 Jahren, gab Céline Roscheck ihr Solodebüt als leidenschaftliche Geigerin – und wurde „Miss Austria“. Im ORF-Städteporträt offenbart die als Model und Musikerin tätige Vorarlbergerin atemberaubende Aussichten, denn mit ihr geht es auf den Pfänder, den Hausberg der Bregenzer.

Geigerin Céline Roschek und Regisseur Felix Breisach. Bild: Sender / ORF / Felix Breisach Medienwerkstatt

Mein Rudolfsheim-Fünfhaus

Rudolfsheim-Fünfhaus, der 15. „Hieb“: Hier treffen Bobo-Feeling, Balkan-Flair, Altwiener Gemütlichkeit im Schrebergarten und ein Hauch von Little Istanbul aufeinander. Zum Abschluss der ORF-Porträtreihe über die 23 Wiener Gemeindebezirke führt Regisseur Chico Klein in den jüngsten, buntesten und dichtest besiedelten Bezirk der Bundeshauptstadt: Rudolfsheim-Fünfhaus.  Auf nostalgische Erinnerungstour begeben sich darin u. a. der Humorist, Autor und langjährige Theaterintendant Felix Dvorak sowie Schauspieler und Sänger Boris Eder. Weiters kommen Gastronomin Gertrude Mann und Unternehmer Gottfried Rieck zu Wort.

Regisseur Chico Klein bittet zum Abschluss seiner ORF-Wien-Reihe unter anderem Felix Dvorak, Multitalent mit tschechischen Wurzeln und Urgestein typisch Wienerischen Humors, zu einer nostalgischen Erinnerungstour durch den jüngsten Bezirk der Stadt. Dvorak, der kürzlich sein 65. Bühnenjubiläum feierte, erinnert sich an die dörflich geprägte Struktur des Grätzels in seinen Kindheitstagen, aber auch daran, als die Moderne hier einzog. Mit der Wiener Stadthalle bekam der Bezirk ein internationales Veranstaltungszentrum. Die Auftritte von Udo Jürgens, Freddy Quinn oder „Monsieur 100.000 Volt“, Gilbert Bécaud, bleiben für ihn unvergessen.

Ebenso ein „Kind des Bezirks“ und auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu Hause ist Boris Eder, der an der Burg ebenso wie an der Volksoper gleichermaßen versiert ist. Das Aufwachsen in Rudolfsheim-Fünfhaus sieht er als wichtige Berufsvorbereitung: In seiner Kindheit seien viele Lokale nicht künstlich auf „shabby chic“ getrimmt, sondern „authentisch heruntergekommen“ gewesen – mit einer Klientel, die sich trefflich beobachten und studieren ließ.

Auch ein Hauch der k. u. k. Vergangenheit haftet dem Bezirk noch an: Die Schmelz war einst Parade- und Exerzierplatz. Kaiser Franz Joseph I. ritt von seinem Schloss kommend über die Johnstraße ein. Heute finden sich hier große Sportanlagen und Schrebergärten, die immer noch das Glück im Kleinen versprechen.

Weiters kommen im Film die Gastronomin Gertrude Mann und der Unternehmer Gottfried Rieck zu Wort, der es vom Heizer einer Dampflokomotive zum Besitzer eines Luxuszuges brachte.

Gertrude Mann, Felix Dvorak, Regisseur Chico Klein, Gottfried Rieck. Bild: Sender / ORF / Felix Breisach Medienwerkstatt / Bernhard Nicolics-Jahn

Mein Hietzing

Wer Nobelbezirk sagt, meint oft Hietzing. Grün und Schönbrunnergelb dominieren farblich im 13., dem flächenmäßig drittgrößten Bezirk von Wien. Grün - zumal wegen des Schlossparks und des Lainzer Tiergartens - und Schönbrunnergelb wegen der herrschaftlichen Häuser und Villen rund um das kaiserliche Schloss. Gar nicht so sehr mit den noblen Leuten hielt es die Hietzingerin Elizabeth T. Spira, an die ein sommerlicher Programmschwerpunkt im ORF erinnert. In dieser Ausgabe der beliebten Bezirke-Dokumentarreihe erzählt die große Journalistin und Menschenkennerin wie sie als Vierjährige, aus dem britischen Exil kommend, im Hinterzimmer eines kommunistischen Parteilokals aufwuchs. In ärmlichen Verhältnissen im damals noch sehr ländlichen Bezirk wuchs Schauspiel-Star Senta Berger auf, die ihrer Erinnerungen mit dem ehemaligen Bundespräsidentin Heinz Fischer und der langjährigen Direktorin des Technischen Museums, Gabriele Zuna-Kratky teilt.

Michael Verhoeven, Senta Berger. Bild: Sender / Felix Breisach Medienwerkstatt / Walter Hämmerle