Hurra, wir hacken die Tech-Konzerne (2/2)

Mi, 09.12.  |  21:00-21:40  |  3sat
Länge: 40 Min.

In Gesellschaft, Wirtschaft und Politik wächst der Widerstand gegen die Macht der Techgiganten. Kann Europa seine digitale Souveränität zurückerobern?

Die Resignation weicht einer neuen Entschlossenheit: Von München bis Paris entstehen europäische Alternativen zu US-Plattformen und Cloudanbietern. Offene Standards, Regulierung und KI-made in Europe

Auch die Politik versucht mit einem neu geschaffenen Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung unter Bundesminister Karsten Wildberger, den Rückstand zu den Big Techs aufzuholen. Für viele Branchenkenner kommt dieser Schritt Jahrzehnte zu spät.

Überall in Deutschland und Europa formiert sich Widerstand. Beim Hamburger Zukunftsfestival "2MR" ("Tomorrow") der Initiative "Save Social – Networks For Democracy gUG" fordern Wissenschaftler, Medienschaffende, Kulturschaffende wie Marc-Uwe Kling und Politiker wie Hamburgs Kultursenator Dr. Carsten Brosda eine Rückeroberung der digitalen Souveränität durch striktere Regulierung, offene Standards und mutige europäische Alternativen.

Wie solche Alternativen aussehen können, zeigt die Stadt München. CDO Laura Dornheim zeigt nicht nur, wie die Verwaltung sich von amerikanischer Software loslöst, sondern auch, wie sie mit ihrem eigenen Rechenzentrum unabhängig von amerikanischen Cloudanbietern geworden ist.

Auch Frankreich setzt auf eigene digitale Infrastruktur. Die gesamte französische Verwaltung arbeitet mit einer souveränen französischen Cloud. Gleichzeitig will das Pariser Unternehmen Mistral Europa im Rennen um digitale Souveränität in eine Poleposition bringen. Public Affairs Director Audrey Herblin-Stoop legt offen, wie Mistral Europa im Rennen um digitale Souveränität in eine Poleposition bringen will.

Doch digitale Souveränität ist nicht nur eine technische, sondern auch eine politische Frage. Die Erste Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Sabine Verheyen, diskutiert mit Martin Andree darüber, wie man die Techkonzerne nach den gleichen Spielregeln in die Demokratie einbindet wie andere Medien und Unternehmen. Und sie geht der Frage nach, ob eine Regulierung des Algorithmus wieder faire Bedingungen herstellen kann.

Der niederländische Journalist Eric Smit kämpft mit seiner Organisation Firewall gegen Big Tech und deckt die Missstände der Großkonzerne auf. Bei Weihbischof Anton Losinger geht es schließlich mit Blick auf die Alpen um die großen Fragen, die die KI für uns Menschen aufwirft. Ein spiritueller Ausblick in die Zukunft.

"Die Techkonzerne haben das Betriebssystem unserer Gesellschaft gehackt. Jetzt müssen wir sie mit derselben Entschlossenheit zurückhacken. Wir sind hier noch eine Demokratie – wir sind hier die Chefs", sagt Martin Andree.



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