Albin Egger-Lienz Film von Patrick Pleisnitzer
In der Zwischenkriegszeit gestaltete Albin Egger-Lienz die von Clemens Holzmeister entworfene Kriegergedächtniskapelle und ließ sich zusichern, dass er selbst dort beerdigt werden dürfe.
Die gesamte Ausmalung der Kapelle verzierte der österreichische Maler nicht mit verherrlichender Heldenmystik, sondern zeigte den Schrecken und die Ernüchterung des Kriegs. Sein Gemälde "Der Auferstandene" sorgte gar für einen Skandal.
Christus wird hier als rohe, wuchtige Halbfigur vor dem leeren Sarg mit einer Kreuzfahne gezeigt, was Zeitgenossen als klobig, wenig feierlich und fast profan empfanden. Dekan Gottfried Stemberger lehnte das Werk vehement ab, und es kam zu erbitterten Streitereien zwischen dem Maler und der katholischen Kirche. Nach vielfachen Protesten und einem Brief des Dekans an den Vatikan verfügte das Heilige Offizium in Rom schließlich ein Verbot sämtlicher Gottesdienste für die Kapelle.
In seinen letzten Lebensjahren wurde Egger-Lienz zum Ehrendoktor der Universität Innsbruck und zum Ehrenbürger von Lienz ernannt, musste nach seinem Tod im Jahr 1926 jedoch am örtlichen Friedhof beigesetzt werden. Die Familie pochte auf die Einhaltung der Verträge und konnte einen Kompromiss mit dem Bischof von Innsbruck erreichen: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde der Leichnam des berühmten Malers exhumiert und 1983 in der Kriegergedächtniskapelle beigesetzt, wo er noch heute ruht.
Zum besseren Verständnis beleuchtet der Film die wichtigsten Stationen des Künstlers in Osttirol, Südtirol, Ötztal, Trentino, Hall in Tirol, Wien und Weimar. Der nicht unumstrittene - weil vor allem von den Nationalsozialisten politisch missbrauchte - und oft fälschlich interpretierte - weil tief religiöse, aber von der Kirche unbeachtete - Künstler hat erst viele Jahrzehnte nach seinem Tod die verdiente Anerkennung erhalten.
Albin Egger-Lienz zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern der Jahrhundertwende und hat mit seinen innovativen Techniken einen bedeutenden Beitrag für die Moderne geleistet. Auch die Kirche hat inzwischen ihren Frieden mit dem Künstler geschlossen.
Redaktionhinweis: Zum 100. Todestag des Malers im Jahr 2026 zeigt 3sat das Porträt des österreichischen Malers, dessen Gesamtwerk von den Themen Vergänglichkeit, Leben, Leid und Tod geprägt war.
in Outlook/iCal importieren