Gedanken für den Tag Ein jeder Engel ist schrecklich

Di, 25.08.  |  6:57-7:00  |  Ö1
Cornelius Hell, Literaturkritiker und Übersetzer, über die Himmelsboten in der Literatur und im eigenen Leben

Keine religiöse Vorstellung ist so beliebt wie die von den Engeln – selbst bei Dieben: Engelsfiguren werden am häufigsten gestohlen. Aber auch in der Literatur sind die Engel ungebrochen präsent: „Ich habe einen Engeltick. Raffael, Botticelli, Giotto, Hauptsache, es sind Flügel dran“, sagt die Erzählerin in Cees Notebooms Roman „Paradies verloren“. Und ihre Freundin weiß auch, warum: „Das kommt, weil du selbst fliegen können willst.“ Engel verkörpern viele menschliche Sehnsüchte: fliegen können, augenblicklich an jedem beliebigen Ort sein – und jederzeit verschwinden können. Engel sind sozusagen das positive, unproblematische Gesicht der Religion. Autorinnen und Autoren wie Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Else Lasker-Schüler, Friedrich Dürrenmatt oder Hans Magnus Enzensberger haben die Engel-Figur aufgegriffen. Und wer hat nicht schon einmal einen geliebten Menschen als Engel bezeichnet oder in Gefahr von einem Schutzengel geträumt?

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