mareTV Islands einsamer Osten. Fjorde, Gletscher, Gammelhai

Do, 19.11.  |  21:00-21:45  |  NDR
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Ostland nennen die Isländer den am dünnsten besiedelten Teil ihrer Insel. Die gewaltigen Ostfjorde gelten als das grüne Herz des Landes und der Vatnajökull ist der König aller Gletscher. Nur rund vier Prozent aller Isländer leben hier, dafür gelten sie als besonders fröhlich und entspannt. Sie verziehen keine Miene, wenn sie streng riechenden Gammelhai verzehren. Sie betreiben selbst im abgelegensten Winkel einen Süßigkeiten-Automaten und lassen den Tag am liebsten in "Hot Pots" mit heißem Wasser aus Geothermalquellen ausklingen - die gibt's überall in diesem Land aus Feuer und Eis.

Austurland, Ostland, heißt der am dünnsten besiedelte Teil von Island. Die gewaltigen Ostfjorde gelten als das "grüne Herz" des Landes, der Vatnajökull ist der größte Gletscher.

In der Fischfabrik von Borgarfjördur wird neben Frischfisch auch Trockenfisch als Knabbersnack produziert. Kalli Sveinsson lässt in seinem Hafenschuppen auch noch eine sehr spezielle isländische Delikatesse reifen: Hákarl, Gammelhai. Der fermentierte Grönlandhai, der mehrere Wochen vor sich hinrottet, ist für diejenigen, die ihn nicht kennen, nahezu ungenießbar. Doch Kalli weiß, wie die bestialisch stinkenden Fischwürfel am besten schmecken: mit Brennivin, einem isländischen Schnaps, im Volksmund "der schwarze Tod" genannt.

Das Highlight des Jahres auf Island ist der Réttir, der traditionelle Schafabtrieb. Im Sommer grasen unzählige Schafe auf den Hochebenen. Rechtzeitig vor dem harten Winter werden die Tiere mithilfe von Quadfahrern und berittenen Treibern zurück in die Täler gebracht. Die Brüder Egil und Gunnar Gunnarsson helfen ihrem Vater jedes Jahr beim anstrengenden Abtrieb, der eine ganze Woche lang dauern kann. Am Ende steht das Sortieren der Schafe im Pferch. Ein wildes Vergnügen.

Im Leben des ehemaligen Lehrers Thórdur Júliússon, genannt Doddi, dreht sich alles um Islandpferde. Doddi trällert gerne Lieder. Auch schon mal die "Internationale", denn Doddi lebt im ehemaligen sogenannten Kommunisten-Fjord. Mehr als 50 Jahre lang war die Gemeinde als einzige sozialistisch regiert. Das Städtchen Neskaupstadur wird heute noch von manchen "Klein-Moskau" genannt. Im örtlichen Schwimmbad hängen zwei Uhren: die eine zeigt die isländische, die andere die Moskauer Zeit.

In der entlegensten Ecke Ostislands, irgendwo im Nirgendwo, steht eine winzige, quietschgrüne Hütte. Darin: ein Automat für Süßigkeiten, Getränke und Klebetattoos. Die Idee zum Kiosk zwischen den Fjorden hatte Kristinn Kristmundsson, genannt Kiddi. Der 66-Jährige ist ein kleines Technikgenie und stolz, dass sein Selbstbedienungslädchen mit Solaranlage und Windrad autark funktioniert. Nur ab und zu muss er mal vorbeikommen, um die Automaten wieder aufzufüllen.

Hrafnhildur Hannesdóttir ist eine der bekanntesten Klima- und Gletscherforscherinnen Islands. Gemeinsam mit dem Wahlisländer Stephan Mantler, Fotograf und Kartograf, ist sie zur Gletscherfront unterwegs. Unter dem Eis brodelt eines der aktivsten Vulkansysteme, doch die Gletscher schmelzen vor allem durch die Erderwärmung. Der Klimawandel ist hier quasi live zu beobachten.

Kamera: Julian Ringer

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