Versetzt statt verurteilt Katholische Priester, Missbrauch und Strafvereitlung / Von Gabriele Knetsch
Di, 04.08. | 20:00-21:00 | MDR Figaro
Priester, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, konnten sich ins Ausland absetzen. Oft mit Wissen hochrangiger Kirchenvertreter. In mehreren Fällen lieferte die Kirche mutmaßlich pädokriminelle Priester nicht der Strafverfolgung aus - sondern sorgte teilweise sogar aktiv dafür, dass die Behörden ihnen nicht auf die Spur kamen.
Bis in die jüngste Vergangenheit lassen sich Auslandseinsätze von mutmaßlichen Tätern nachweisen. Aus den Einsatzländern werden Stimmen lauter, die eine Aufarbeitung fordern.
Im ARD Radiofeature steht ein bayerischer Priester und Internatsleiter im Zentrum: Mitte der 70er Jahre wurde er überraschend nach Namibia versetzt, nachdem mehrere Buben sexuelle Übergriffe im Schlafsaal beim Bistum gemeldet hatten. Einer der damaligen Betroffenen berichtet, dass der Priester plötzlich verschwunden war. Heute ist er geschockt - als er erfährt, was hinter den Kulissen passiert ist.
Involviert in die Versetzung: das Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Die katholische Kirche konnte sich bei dieser Praxis auf ein weltweites Netzwerk stützen.
Dies zeigen weitere Fälle. Ein Priester aus Eichstätt, der in Deutschland per Haftbefehl gesucht wurde, entzog sich der Strafverfolgung durch eine Flucht über eine Mission in Tanzania nach Brasilien - dort wirkte er in einer armen, abgelegenen Gegend. Uns vorliegende Dokumente belegen, dass es in der Kirche hochrangige Mitwisser gab.
Diese Versetzungspraxis lässt sich nicht nur für Deutschland nachweisen. Dies zeigen jüngste Enthüllungen über spanische Jesuiten, die an einer Schule in Cochabamba zahlreiche Kinder missbraucht haben sollen. Hunderte von Opfern haben sich gemeldet. Nun fordern die bolivianischen Betroffenen, dass die Kirche und die Politik in Europa Verantwortung für das Unrecht übernehmen sollen.
Gabriele Knetsch recherchiert seit vielen Jahren zum Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche. Zuletzt war sie Co-Autorin des DLF-Podcasts "Heilsverbrechen - der Fall Rupnik" zu dem Thema Missbrauch an Ordensfrauen.
Produktion: BR 2026
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