Wilder Rhein – Der berühmte Unbekannte (1/2) Film von Marc Gieriet und Nicole Ulrich
Der Rhein gehört weltweit zu den verkehrsreichsten Wasserstraßen. Sechs Millionen Menschen leben direkt an dieser Lebensader Europas. Aber nur die wenigsten kennen das Ursprungsgebiet.
In Graubünden, wo die beiden Quellen des Vorder- und des Hinterrheins hoch oben in den Alpen liegen, ist der Rhein noch jung und wild. - Die Reise entlang des Rheins beginnt am Hinterrhein mit traumhaften Landschaftsbildern und spektakulären Aufnahmen wilder Tiere.
Es ist Anfang Oktober. Der erste Schnee fällt am Rheinwaldhorn. Der Bach gurgelt gleichmäßig und schlängelt sich wenige Meter entfernt an der Zapporthütte vorbei. Es ist einer von zahlreichen Quellbächen des Hinterrheins.
Daniela Zwyer, die Hüttenwartin der Zapporthütte, ist müde von einer langen Saison. Für sie ist das Quellgebiet ein Kraftort. Ein letztes Mal macht sie einen Rundgang um die Hütte, schließt alle Fensterläden. Die Zapporthütte liegt am Osthang des Rheinwaldhorns auf 2276 Metern. In den letzten Monaten waren über tausend Menschen dort oben zu Besuch. Viele von ihnen aus Deutschland. Sie wollten sehen, woher der Rhein kommt.
Die Hütte ist nur durch einen vierstündigen Fußmarsch erreichbar. Wer den Aufstieg wagt, kommt vorher an der Gemeinde Rheinwald vorbei. Dort wird an einem Revitalisierungsprojekt gearbeitet. Mehrere Hektare Wald werden gerodet, um dem Rhein wieder die wilde, ursprüngliche Form zurückzugeben, die er bis vor 60 Jahren hatte.
Seit jeher ist das Leben am Rhein für die Menschen in den Bergregionen mit Herausforderungen verbunden. Und seit jeher wissen diese Menschen, dass ein Leben nur als Miteinander mit der Natur möglich ist.
Mirco Scherrer ist Forstwart und Ranger. Er lebt von und mit der Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt am Hinterrhein. Scherrer nimmt an einem besonderen Naturschauspiel teil: Es ist Brunftzeit der Rothirsche. Ohrenbetäubend ist ihr Röhren in der Brunftzeit. Durch die beeindruckende Schlucht der Via Mala geht die Reise weiter nach Thusis, wo der Jäger Martin Simeon den Fellmarkt besucht. Geduldig versuchen er und seine Frau Alice, Abnehmer für ihre Fuchsfelle und für das aufwendig hergestellte Murmeltieröl zu finden.
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