Gedanken für den Tag Stückweise leben

Mo, 13.07.  |  6:57-7:00  |  Ö1
Erich Hackl, Schriftsteller, über Österreicherinnen und Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg

Vor 90 Jahren, am 17. Juli 1936, erhoben sich Teile der Armee unter Führung des Generals Francisco Franco gegen die linksbürgerliche Regierung der Spanischen Republik. Was als Putsch geplant war, mündete wegen des erbitterten Widerstands der Bevölkerung in einen Bürgerkrieg, an dem auf seiten der Republik Freiwillige aus über 50 Ländern teilnahmen. Ihnen gemeinsam war der Wunsch, den Faschismus dort zu bekämpfen, wo er noch nicht gesiegt hatte. Einer von ihnen war der sechzehnjährige Blattbindergehilfe Hans Landauer aus der niederösterreichischen Ortschaft Oberwaltersdorf. Landauer wusste, was in Spanien auf dem Spiel stand, als er nach seiner Ankunft ein Plakat sah mit toten Kindern auf dem Pflaster Madrids und der Warnung „Hoy España, mañana el mundo“ – „Heute Spanien, morgen die Welt“. Viel später, als sich die Prophezeiung nach der Niederlage der Republik und den Nazigreueln des Zweiten Weltkrieges bewahrheitet hatte und danach für einige Zeit Frieden war in Europa, sah es Landauer als seine Aufgabe an, mit dem Spürsinn des Kriminalisten die Geschichten der österreichischen Spanienkämpfer zu sammeln, also Bruchstücke ihrer Biografien zusammenzutragen. Als er im Juli 2014 starb, hinterließ Landauer ein einzigartiges Archiv mit Angaben zu 1.400 Landsleuten, Männern wie Frauen, von denen die meisten – sofern sie nicht in Spanien gefallen oder in deutschen Konzentrationslagern umgekommen waren – wie er von sich behaupten konnten, im richtigen Moment das Richtige getan zu haben: „Ich bin froh, dass ich in Spanien war, dass ich nie die braune Uniform trug, dass ich nie bei einer Gaunerei mittun musste und dass ich nicht auf Kosten anderer überlebt habe.“

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