zeit.geschichte Ungarische Revolution 1956 - Neue Heimat Österreich

Mo, 09.11.  |  1:00-1:50  |  ORF III
Dokumentation, 2026
Ungarn, 23. Oktober 1956: Sympathiekundgebungen für die polnische Arbeiterschaft weiten sich nach einem Massaker der Staatssicherheit zum Volksaufstand aus. Der gemäßigte Kommunist und ehemalige Regierungschef Imre Nagy wird rehabilitiert und zum Ministerpräsidenten ernannt. Auch Vertreter der Opposition gehören der neuen Regierung an. Teile von Armee und Polizei schließen sich der Revolution an. Die am 24. Oktober in Budapest einmarschierenden sowjetischen Truppen werden aus der Stadt vertrieben. In erbitterten Straßenkämpfen verlieren Menschen auf beiden Seiten ihr Leben. Ungarn tritt daraufhin aus dem Warschauer Pakt aus und erklärt nach österreichischem Vorbild seine Neutralität. Mit der UdSSR sollte über den Abzug ihrer Truppen verhandelt werden.
Der Kreml entscheidet sich jedoch für die gewaltsame Lösung: Am 4. November rücken sowjetische Panzer erneut in Budapest ein und schlagen den Aufstand blutig nieder. Im ganzen Land sterben offiziellen Angaben zufolge etwa 2.500 Ungarn und um die 700 sowjetische Soldaten, andere Schätzungen gehen von weit höheren Zahlen aus. Rund 180.000 Menschen fliehen nach Österreich. Gerade mal ein Jahr nach Erlangung seiner vollen Souveränität wird es nun zum Transit- und Aufnahmeland für die Flüchtenden - viele von ihnen finden hier eine neue Heimat.
Das im Jahr zuvor gegründete österreichische Bundesheer erlebt mit dem Grenzeinsatz seine erste Bewährungsprobe. Bereits in der Nacht vom 4. auf den 5. November 1956 treffen 4.200 ungarische Flüchtlinge im neu errichteten "Aufnahmelager" Traiskirchen ein. Die Bevölkerung zeigt sich in den ersten Wochen der Krise solidarisch und spendet, was sie entbehren kann - Matratzen, Kleidungsstücke, mancherorts entstehen eigene Wohnsiedlungen wie die Stefansiedlung in Wels.
In der neuen Dokumentation von ORF III erinnern sich Zeitzeugen wie der Journalist Paul Lendvai, der nach Haft und Berufsverbot über Prag und Warschau nach Wien floh, und der Fotograf Erich Lessing, der den Aufstand in seiner bedeutendsten Reportage dokumentierte, an jene Tage. Bis heute pflegt die ungarische Community in Österreich ihre Sprache, Kultur und Traditionen - und bewahrt zugleich die Erinnerung an die Ereignisse des Ungarischen Volksaufstandes von 1956.

Regie: Thomas Hackl
Buch: Martina Hechenberger

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