NANO: Tiefengeothermie – wie gefährlich ist Energie aus der Erde? Film von John Kantara

Fr, 27.11.  |  18:15-19:00  |  3sat
Länge: 45 Min.

Tiefe Geothermie verspricht nachhaltige Energie aus dem Inneren der Erde. Doch hohe Kosten und extrem riskante Tiefenbohrungen stellen die Hightech-Wärmegewinnung auf die Probe.

Die Förderung birgt ein Risiko: Erdbeben. Forschende suchen nun Wege, die Technologie sicher zu machen. Rund die Hälfte unseres Energieverbrauchs entfällt auf den Wärmesektor. Kommunen und Industrie könnten von mehr Geothermie profitieren und selbst Strom erzeugen.

In Grünwald bei München zeigt sich, dass Tiefengeothermie funktionieren kann. "Wir sind heute bei 2200 Hausanschlüssen", sagt Andreas Lederle, Geschäftsführer bei EWG Erdwärme Grünwald. Doch Bohrungen in mehreren Kilometern Tiefe sind extrem teuer, und Eingriffe in den Untergrund können Spannungen im Gestein verändern.

Wie groß die Herausforderungen sind, zeigt sich im Oberrheingraben: In Basel führten dort im Jahr 2006 geothermische Bohrungen zu Erschütterungen, Schäden - und Protesten, in Straßburg im Jahr 2020. Das Vertrauen in die Technologie nahm Schaden. Forschende suchen deshalb nach Wegen, die Risiken besser zu beherrschen. Im BedrettoLab, dem unterirdischen Forschungslabor der ETH Zürich, werden gezielt kleinste Erdbeben ausgelöst und mit einem engmaschigen Sensornetz überwacht. Ziel ist es, kritische Veränderungen im Untergrund früh zu erkennen und gegenzusteuern.

Auch am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam simulieren Geophysiker und Geomechaniker, wie Gestein auf Eingriffe reagiert. Im Labor der Kontinentalen Tiefbohrung im bayerischen Windischeschenbach wird bei der adaptiven Stimulation erprobt, wie sich der Injektionsdruck bei der Wasserzufuhr in der Tiefe Schritt für Schritt an die Reaktion des Gesteins anpassen lässt, um das Gestein zu öffnen und dabei stärkere Erdbeben zu vermeiden.



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