Radiogeschichten Von der Unmöglichkeit, Geschichte abzuschütteln

Mi, 01.07.  |  11:05-11:25  |  Ö1
„Francek“ von Manuela Tomic. Es liest Eszter Hollosi.

Frau B. hat einen Fratz. Der hat sich in ihr eingenistet, er besetzt ihre Sinne, manipuliert ihre Wahrnehmung. Was als körperliche Irritation beginnt, entwickelt sich zu einer existenziellen Krise: Die Ich-Erzählerin verliert die Kontrolle über ihren Körper und sieht sich mit den unverarbeiteten Traumata ihrer bosnischen Herkunft konfrontiert.In Manuela Tomics surrealistischem Debütroman verdichten sich die Schatten osmanischer und habsburgischer Herrschaft, die Wunden der Balkankriege und die Last weiblicher Erwartungen zu einer halluzinatorischen Erzählung. Zwischen Geburtswunsch und Vernichtungsfantasien, zwischen Liebe und Wahnsinn sucht die Erzählerin nach einem Ausweg. Eines Abends taucht in ihren Träumen der kleine Francek auf, und Frau B. muss sich der Wirklichkeit stellen. Tomic hat einen wilden, poetischen Text geschaffen. Mit sprachlicher Intensität erzählt sie von der Unmöglichkeit, Geschichte abzuschütteln.Manuela Tomic wurde 1988 in Sarajevo geboren, als Vierjährige flüchtete sie mit ihren Eltern nach Kärnten. Seit 2006 lebt sie in Wien. Bis 2024 arbeitete sie als Journalistin, unter anderem für die Furche, die Zeit und Arte. Nun ist sie als Autorin tätig. Für ihr zweisprachiges Hörspiel, „Blasse Stunden/Blijedi sati“ (Regie: Andreas Jungwirth) gewann sie 2024 den Preis für das beste Originalhörspiel bei der Ö1-Hörspielgala sowie international den Prix Italia und den Prix Europa.

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