Gedanken für den Tag Heimat, bist du großer Prozesse

Sa, 24.10.  |  6:57-7:00  |  Ö1
von Solmaz Khorsand, Journalistin

Patriotismus ist mir ein fremdes Gefühl. Dennoch schleicht er sich manchmal heran. Im Juni etwa, als Österreich zum ersten Mal ein Verfahren nach dem sogenannten „Weltrechtsprinzip“ gegen zwei ehemalige Funktionäre des syrischen Assad-Regimes führte.Das Weltrechtsprinzip erlaubt Staaten, Verbrechen gegen die Menschlichkeit unabhängig vom Tatort zu verfolgen. Das heißt: egal, wo auf der Welt jemand foltert, massakriert und ethnische Säuberungen beauftragt oder durchführt – kann in Österreich zur Verantwortung gezogen werden. Im Juni hat Österreich gezeigt, wie ernst es diese Aufgabe nimmt. Es hat der Welt gezeigt, dass man Geld, Zeit und Ressourcen in die Hand genommen hat, um die Würde des Menschen zu verteidigen, egal wo und wer versucht hat sie jemandem zu nehmen. Dieser „Wiener Folterprozess“, wie er zuweilen in den Medien bezeichnet wurde, hätte Fanfare verdient, Live-Ticker, Sondersendungen, Porträts der Anwältinnen, Verteidiger und des Übersetzers, der non-stop eine Performance hinlegte, die eigentlich vernetflixt werden müsste. Das, was Österreich im Juni vollbracht hat, hat das Zeug für einen besonderen Patriotismus. Einen, dessen DNA nicht suspekt identitär und provinziell ist, sondern das Gegenteil: universell und demokratisch, aufbauend auf all das, was ein zivilisiertes Zusammenleben ermöglicht. Leider begegnete die Öffentlichkeit dem Prozess mit relativer Gleichgültigkeit, fast schon Desinteresse. Daher will ich das jetzt nachholen, wenige Tage vor dem Nationalfeiertag. Ein Hoch auf ein Land, in dem derartige Verfahren geführt werden!

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