Diagonal Stellt Vor Das Magazin zum Monatsanfang

Sa, 03.10.  |  17:05-19:00  |  Ö1
Anschl.: Diagonal Feiner Musiksalon: Euroteuro – „Magic“

Maxim Znak. Gefängnisberichte aus WeißrusslandMaxim Znak, geboren 1982, ist Anwalt und ein führendes Mitglied der belarussischen Oppositionsbewegung. Er gehört dem Vorstand des Koordinierungsrates an, der sich 2020 im Zuge der Massenproteste gegen die gefälschte Präsidentschaftswahl in Belarus für eine friedliche Machtübergabe einsetzte. Im Zuge dieser Proteste wird Znak verhaftet und in einem Minsker Gefängnis festgehalten. Dort schreibt er seine Erzählungen in ein Notizheft. Znaks Schwester schafft es die Texte mit dem Titel „Zekamerone“ aus dem Gefängnis zu schmuggeln. ZEK, das bedeutet auf Russisch Gefangener. 2023 erscheint das Buch in Übersetzung beim Verlag suhrkamp. Zwei Jahre später wird der Autor nach fast fünf Jahren Haft freigelassen und aus Belarus abgeschoben. Seine einhundert MINI STORIES über den Alltag als politischer Häftling sind von schwarzem Humor geprägt und genaues Beobachten erweist sich dabei als Waffe des Widerstandes. Erich Klein hat Maxim Znak getroffen.Paul Albert Leitner. Staatspreis für FotografieDer 1957 in Jenbach/ Tirol geborene Paul Albert Leitner gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Kunstfotografen in Österreich. Seine strikt analog erzeugten Bilder aus aller Welt zwischen Stilleben, Street Life und exaltierten Selbstporträts fokussieren oft aufs Marginale und Entlegene, und schaffen doch aus Details Mikrowelten, die das große Ganze erkennbar werden lassen. Lange Zeit war Leitner ein Tipp für Eingeweihte, jetzt erhält er spät aber nicht zu spät den österreichischen Staatspreis für Fotografie und geht seinen Weg weiter. „Mit der Bussi Bussi-Gesellschaft“, sagt er, „Mit der Promi-Abteilung. Mit diese Leuten habe ich nichts zu tun.“ Thomas Mießgang hat mit dem Fotografen gesprochen.Bernhard Leitner. Räume aus TonSeit Ende der 1960er-Jahre baut der österreichische Künstler Bernhard Leitner Räume aus Ton, die sich nicht nur hören, sondern am ganzen Körper erfahren lassen. Der ausgebildete Architekt lässt Klänge steigen, kreisen und durch den Körper wandern – aus Schall entstehen bei ihm unsichtbare, aber spürbare Skulpturen. Eine Ausstellung in der Wiener Secession verbindet nun ausgewählte Arbeiten der letzten Jahrzehnte mit einem neuen, monumentalen Werk: „Wasser Würfel/Wand Wellen“. Fast sechzig Jahre nach dem ersten Entwurf seines „Soundcube“ führt Leitner eine seiner ursprünglichsten Ideen wieder einmal in die Gegenwart. Gestaltung: Kaspar Arens20 Jahre museum guggingWo früher die Heil- und Pflegeanstalt Gugging ihre Patienten behandelte, befindet sich heute das art brut center gugging. Heuer feiert das museum gugging, das Herzstück des Kunstareals, seinen 20. Geburtstag und weist dabei auf Kontinuitäten, aber auch Brüche und Widersprüche hin. Die Geschichte des Museums beginnt in den 1950ern mit Zeichenexperimenten in der Klinik. 1970 ermöglichen begeisterte Künstler wie Arnulf Rainer und Peter Pongratz die erste große Ausstellung der Werke von Patienten. 1994 kommt David Bowie höchstpersönlich ins niederösterreichische Gugging. Gleichzeitig lässt diese Erfolgsgeschichte unberücksichtigt, warum in einem inklusiven Museum wie dem gugging bis heute kaum Frauen ausgestellt sind. Und braucht es das Etikett „Art Brut“ (rohe Kunst) für die intensiven Werke von Künstlern wie August Walla, Johann Hauser und Oswald Tschirtner überhaupt? Am Ende steht die klassische Frage: Was ist überhaupt Kunst – und wer bestimmt das? Gestaltung: Fabian Lutz.Auf Augenhöhe mit dem ZieselWarum sollten Konzerne und Stiftungen Rechtspersönlichkeiten sein, nicht aber Füchse, Flüsse oder Bäume? Im Diagonal Studio sprechen die Stadtforscherin Katja Schechtner, die am MIT an Strategien für Städte arbeitet, die allen Lebewesen gerecht werden wollen, und der Architekturpublizist Wojciech Czaja über ihr gemeinsam mit Alex Putzer herausgegebenes Buch „Stadt, Natur, Rechte“. Natur und Stadt werden im allgemeinen ja nicht zusammengedacht, aber mehr als ein Drittel der weltweiten Initiativen für Rechte der Natur geht von den Städten aus und die Artenvielfalt ist dort oft höher als im Umland: New York etwa hat heute mehr Arten als zur Zeit der europäischen Besiedelung, und in Mexico City leben rund zwei Prozent aller Pflanzen- und Tierarten der Welt. Dabei geht es in dem Buch um Rechte der Natur nicht als Absolutismus, sondern als Verhandlung auf Augenhöhe. Ines Mitterer im Gespräch mit den Autor:innen.

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