Gedanken für den Tag Franz und die Schwester Tod

Sa, 03.10.  |  6:57-7:00  |  Ö1
Hubert Gaisbauer, Publizist, zum 800. Todestag von Franz von Assisi

Franz ist einer, der sterben kann. Zweimal ist er todkrank. Als er versucht, ein Ritter zu werden und – nach dem für Assisi verlorenen Kampf mit Perugia – für ein Jahr in einem feuchten Kerkerloch landet, bis der Vater das Lösegeld herausrückt. Die Folge: Lungentuberkulose. Zwei Jahre später noch einmal der Versuch, ein Kriegsheld zu werden. Doch die Krankheit kommt zurück. Sie will ihm sagen: Das ist nicht dein Weg, das sind nicht deine Herren, diese Kriegsherren. Und die Schwester Krankheit wird ihn nimmer verlassen. In Ägypten infiziert er sich an den Augen, wird nahezu blind und kann nicht mehr in die Sonne schauen. Selbst die Leibärzte des Papstes können nicht helfen. Als man ihm mitteilt, dass er bald sterben werde, diktiert Franz freudig die letzte Strophe zum Sonnengesang: Laudato si, mi Signore, per sora nostra Morte corporale – sei gelobt, mein Herr, durch unsere Schwester, den Tod des Leibes. Franziskus will bei der Portiunkula sterben. Am Freitag lässt er sich Brot bringen und teilt es mit seinen Brüdern. Am Samstag bittet er, dass man ihm die Passion nach Johannes vorlese. Jetzt, am Abend, jetzt kann er die Schwester Tod empfangen. Er lässt sich mit Asche und Staub bestreuen und man legt ihn nackt in einem groben Tuch auf die bloße Erde. Er will den Psalm 142 singen, „Mit lauter Stimme rufe ich zum Herrn“. Aber die Stimme versagt. In der kleinen Zelle wird es heilig und still. Franz stirbt im sechsundvierzigsten Lebensjahr und im zwanzigsten Jahr seiner Bekehrung. Es ist Samstagabend, der 3. Oktober 1226. Als Franz in der Portiunkula stirbt, so erzählen die Brüder, fliegt ein Schwarm singender Lerchen über die Hütte der Portiunkula.

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