Auch ich in der Champagne (Folge 3 von 10) Von Johann Wolfgang von Goethe

Mi, 19.08.  |  14:00-14:30  |  MDR Figaro
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"Geschichte" ist bloß Horizont und Gesprächsstoff in einem Buch, das man nur leicht überspitzt als Goethes "Französische Reise" bezeichnen könnte - neben anderen Gesprächsstoffen, etwa der Naturwissenschaft, der sich Goethe so nachdrücklich zuwendet, während das Heer in Regen und Schlamm versinkt. Wie manches von Goethes späteren Werken wirkt auch der Bericht von dem französischen Feldzug zunächst fast ungeordnet... Aber dem genaueren Blick zeigt der Text seine sorgfältig balancierten inneren Bezüge und Spiegelungen. Er führt von Mainz nach Mainz, und sein Generalthema ist nicht Krieg und Politik, sondern das Zusammenleben in den Zeiten von Krieg und Revolution. Dass man sich "wechselseitig zu schonen habe", steht schon auf den ersten Seiten und erinnert an den Beginn der "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter", wo genau das nicht gelingt. Goethe hat von dem Privileg, dass er in der Heerführung verkehrte, so gut wie keinen Gebrauch gemacht. Klar dagegen sind die menschlichen Verhältnisse: die Not im Feindesland, der Mechanismus wechselseitiger Hilfe, die Gefahr des Plünderns und der sinnlosen Gewalt. Das Scheitern des Feldzugs von 1792 bringt eine große Mahnung: Man muss zurück durch Gebiete, die man zuvor selber kahlgefressen hat. (aus dem Nachwort von Gustav Seibt zum Neudruck der Erstausgabe; SZ 2007)

"Campagne in Frankreich" hieß das Buch erst in der Ausgabe letzter Hand. Die Erstausgabe von 1822 trug die Überschrift: "Aus meinem Leben. Zweyter Abtheilung Fünfter Theil". Und darunter als einziges verdeutlichendes Element das Motto: "Auch ich in der Champagne!" Es lässt eine Ironie bis an den Rand des Sarkasmus vernehmen. Denn die so in den vielgliedrigen Bau von Goethes autobiographischen Schriften eingeordnete Episode wurde damit in die spannungsvolle Parallele zur Italienischen Reise mit ihrem Motto "Auch ich in Arkadien!" gerückt, und wer im Kopf hatte, dass sich dieses "auch ich" auf den durch einen Schädel exemplifizierten Tod bezogen hatte, der konnte die Hintergründigkeit dieser Aufmachung nicht verkennen. Also nicht Historiographie und Weltgeschichte ist das Genre dieses Buches, sondern Autobiographie und Erfahrung.

Regie: Petra Meyenburg
Bearbeitung: Petra Meyenburg
Produktion: MDR 2007

Mitwirkende:
Jürgen Hentsch - Sprecher

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